Die 20 Klubvertreter der Handball Bundesliga (HBL) haben beschlossen, dass die laufende Saison weitergespielt wird. Wie Ligachef Frank Bohmann in einem Interview mit dem Norddeutschen Rundfunk betonte, würde Lockdown bedeuten, dass „wir unserem eigenen Betriebs- und Hygienesystem nicht vertrauen würden“. Das selbst auferlegte Konzept hat bereits sieben Spieltage funktioniert. 

Zuvor hatte es jedoch wegen Coronainfektionen einzelner Spieler in der Handball Bundesliga schon zahlreiche Spielabsagen gegeben, darunter auch die Partien der SG Flensburg-Hendewitt gegen Melsungen und des THW Kiel gegen Die Füchse aus Berlin. Auch die Partien des MT Melsungen gegen den SC Magdeburg und des GWD Minden gegen HSC 2000 Coburg wurden abgesagt, weil sich die infizierten Spieler und ihre Kontakte in der Mannschaft für 2 Wochen in Quarantäne begeben mussten. Für die Fans bleibt in vielen Fällen nur sich die Zusammenfassungen im Fernsehen anzuschauen. Übertragungen ganzer Spiele gibt es jedoch leider nur selten. 

Die Handballvereine haben wegen der Pandemie außerdem große wirtschaftliche Probleme. Nicht nur, dass die Gelder aus den Zuschauereinnahmen wegfallen. Mittlerweile drohen auch Sponsoren, dabei handelt es sich oft um kleine regionale Handwerksbetriebe die man auch über erfahrungenscout finden kann. 

Riesiger Termindruck bei einigen Vereinen
Schon jetzt gibt es bei einigen Vereinen einen riesigen Termindruck. Das betrifft insbesondere die Top-Vereine THW Kiel und SG Flensburg-Hendewitt, weil diese auch international mitspielen und zumindest bis zum Ende des Jahres in einem 3-Tagerhytmus spielen müssen. 

Laut Ligachef Bohmann ist der Terminplan jedoch bei den internationalen Spielen wegen zahlreicher Infektionen in den Ländern kaum noch einzuhalten. Wörtlich sagte er: "Ich befürchte, dass wir leider noch einige Meldungen dazu kriegen werden. Wir sind wohl bald an einem Punkt angekommen, an dem wir akzeptieren müssen, dass wir nicht alles umgesetzt bekommen, was wir uns wünschen."

Handballvereine vor großen wirtschaftlichen Problemen
Die Klubs haben in diesem Jahr große finanzielle Einbußen erleiden müssen. Anders als im Fußball, wo Millionen über die Vereine aus den TV-Übertragungsrechten geschüttet werden, gehört der Handball zu den weniger privilegierten Sportarten. Hier ist man viel stärker auf Sponsorengelder und die Zuschauereinnahmen angewiesen. Je länger die Zuschauereinnahmen wegfallen, umso größer werden die Probleme. 

Einige Sponsoren sind ebenfalls wegen der Coronakrise und der dadurch bedingten Mindereinnahmen abgesprungen. Handball-Bundesligisten wie HBW Ballingen-Weilstätten, der TVB Stuttgart oder Eulen Ludwigshafen haben daher Staatshilfe beantragen müssen, um sich über Wasser zu halten. Einige Vereine befürchten jedoch trotz der Staatshilfen, dass die Gelder nicht bis zum Saisonende ausreichen werden und weitere Hilfen erforderlich werden könnten. 

Um Staatshilfe zu beantragen, müssen die Vereine eine Aufstellung aus den Zuschauereinnahmen aus dem Ticketing der Vorjahresmonate vorlegen und durch einen Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer beglaubigen lassen. Davon können dann maximal 80% durch das Corona-Hilfspaket erstattet werden. 

Ein Verein kann jedoch maximal 800.000 Euro aus diesem Topf erhalten. Das Problem, dass sich jedoch für viele Vereine stellt, ist dass die Vereine einen Teil des Geldes möglicherweise später zurückzahlen müssen. Die Hilfen gelten überdies auch nur bis zu einer schwarzen Null. Die letzte Saison ist bei einigen Vereinen, so zum Beispiel bei den Aufsteigern gar nicht mit der diesjährigen Saison vergleichbar, sodass es Verzerrungen gibt.

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