Österreich zeigte gegen Spanien eine erneut starke Partie, musste sich dem aktuellen Champion jedoch am Ende knapp mit 26:30 geschlagen geben. Einige Kleinigkeiten sorgten am Ende für die Entscheidung, zudem blieb Rot-Weiß-Rot Mitte der zweiten Halbzeit fünf Minuten lang ohne eigenen Treffer. Dennoch begeisterten die Mannen von Teamchef Aleš Pajovič mit ihrem Auftritt nicht nur die knapp 10.000 Zuschauer in der Wiener Stadthalle, sondern auch die Zuseher vor den Fernsehgeräten. Mit einem couragierten und starken Auftritt bot das Team den Favoriten aus Spanien lange Paroli. „Wir haben bis zum Ende gekämpft. Ich bin stolz auf meine Jungs“, so Aleš Pajovič nach der Partie.

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'Ausverkauft' vermeldeten die Veranstalter für den Spieltag am Samstag – und zur Partie Österreich gegen Spanien war die Stadthalle in der Bundeshauptstadt dann auch bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Zuschauer konnten gleich im ersten Angriff jubeln: Fabian Posch wurde von Robert Weber mustergültig bedient, der Kreisläufer traf zum 1:0 gegen Spaniens Rodrigo Corrales. Aber Spanien antwortete schnell, die Partie nahm vom Start weg gleich Schwung auf.

Nach knapp vier Minuten ging erstmals Spanien in Führung, aber das 3:2 von Joan Canellas beantwortete Seppo Frimmel mit dem direkten Ausgleich. Aleš Pajovič hatte seine Truppe gut eingestellt, denn schon früh unterbrach die Deckung immer wieder die Angriffsversuche der Spanier und konnte gar Gegenstöße gegen das Team von Jori Ribera laufen. Zudem war Thomas Eichberger auf dem Posten und entschärfte einige spanische Würfe.

Einzig im Angriffsspiel zeigte Österreich noch Unsicherheiten. Das Team von Pajovič ließ einige Möglichkeiten liegen und kassierte in der ersten Unterzahlsituation zwei Treffer ins leere Tor. Auch Spaniens Tormann Coralles zeigte gleich von Beginn an seine Klasse und bekam ebenfalls die Finger an den Ball.

Dennoch ging es weiter munter hin und her in der Wiener Stadthalle. Frimmel netzte zur erneuten Führung, dann aber gelangen den Spaniern drei Tore in Folge und der Titelverteidiger ging nach sieben Minuten etwas weiter nach vorne. Aber es dauerte keine zwei Minuten, bis sich Österreich vom kleinen 5:8-Schock erholt hatte. Abermals hinterlief Posch die spanische Deckung und verkürzte auf 6:8. Bozovic traf zum 7:8 und Gerald Zeiner ließ die Arena erneut beben. Er durchbrauch die spanische Deckung und glich zum viel umjubelten 8:8 aus. Nach zwölf Minuten waren bereits 16 Tore gefallen und der Tordrang beider Teams sollte auch nicht abnehmen.

Österreich agierte weiter stark in der Deckung, das Kreisspiel der Spanier fand fast überhaupt nicht statt. Die dadurch abgefangenen Bälle nutzte Österreich zum klassischen 'Run and Gun' und schockte die Südeuropäer mit einfachen Toren aus dem Gegenstoß heraus. Robert Weber holte so beim 10:9 die Führung zurück.

Die Qualität der Partie blieb weiter hoch, die Führung wechselte ständig. Österreich sollte an diesem Abend den aktuellen Europameister vor eine mächtige Herausforderung stellen. Zwei Saves in Folge von Thomas Eichberger brachten den Ball zurück, Österreich blieb am Drücker, das 12:12 wurde erst nach Videobeweis gegeben, Daniel Dicker war der Schütze. Auch der 13. Treffer fiel zuerst auf der Seite von Österreich, Frimmel war erneut erfolgreich.

Einen Rückschlag mussten die Gastgeber dann in der 26. Minute hinnehmen, Abwehrchef Lukas Herburger erhielt nach einem Foul eine direkte Rote Karte. Davon ließen sich seine Mitspieler aber nur wenig beeindrucken, sie blieben weiter im Spiel. In die Pause ging es dann mit einem knappen 17:16 für Spanien, die zweite Halbzeit versprach also erneut viel Spannung. 15 Minuten blieben Spielern und Fans aber zunächst, um nach der temporeichen ersten Halbzeit zu verschnaufen.

Mit Beginn der zweiten Halbzeit übernahm dann Spanien etwas mehr das Kommando in der Partie und konnte sich beim 23:19 erstmals auf vier Tore absetzen. Österreich ließ nicht locker und kämpfte sich wieder näher an Spanien heran, die zwar weiter führten, aber keinesfalls überragend spielten. Zwei Möglichkeiten ergaben sich für Österreich, wieder auf nur noch einen Treffer heranzurücken, doch leider fanden die beiden abgewehrten Bälle im Gegenstoß nicht den entsprechenden Mitspieler. Postwendend kassierte man dann bis zum 20:25 durch Angel Fernandez nach einer Dreiviertelstunde weitere Gegentreffer, erstmals führte der Titelverteidiger mit fünf Toren. Aber in der Wiener Stadthalle waren noch einige Minuten zu gehen und Österreich schmiss nochmal alles in die Partie.

Tobi Wagner beendete die fünfminütige Torflaute bei Österreich und verkürzte auf 21:25. Thomas Bauer kam nun für Thomas Eichberger ins Tor, fügte sich gleich mit den ersten Paraden sehr gut ins Spiel ein. Richard Wöss traf von Rechtsaußen zum 22:26 und ein technischer Fehler beim Anwurf für Spanien brachte den Ball schnell zurück. Doch leider verpasste man es weiter zu verkürzen.

Spanien spielte routiniert, mit Geduld im Angriff und hielt den Vorsprung von fünf Toren. Auch in den Schlussminuten gab es weiter lautstarke Unterstützung von den Rängen. Lukas Hutecek traf zum 26:29, bevor dann Figueras mit seinem vierten Tor den Endstand von 30:26 für den zweimaligen Weltmeister herstellte.

Trotz der Niederlage wurde das Team Austria in der Arena gefeiert und erhofft sich am Montag im Duell gegen Deutschland eine ebenso starke Unterstützung. Dann geht es um Platz 3 in der Gruppe, der zur Teilnahme am Finalwochenende in Stockholm berechtigen würde. 

Jordi Ribera, Trainer Spanien: „Österreich hat heute wie auch schon das gesamte Turnier sehr gut gespielt. Die erste Halbzeit war etwas hektisch von beiden Teams. Wir hatten Probleme in der Deckung und haben Österreich viele einfache Tore ermöglicht. In der zweiten Halbzeit haben wir dann unseren Rhythmus gefunden, unsere 5:1-Deckung war stärker und im Angriff spielten wie effektiver. Wir sind sehr glücklich über diese zwei wichtigen Punkte.“

Aleš Pajovič, Trainer Österreich: „Ich bin sehr zufrieden mit dem Auftritt meiner Jungs, man darf nicht vergessen, dass wir gegen den Titelverteidiger gespielt haben. Wir haben bis zum Ende gekämpft. In der zweiten Halbzeit haben wir zu viele Fehler gemacht, die Spanien direkt bestraft hat.“

Nikola Bilyk, Kapitän Österreich: „Wir können von Spanien viel lernen. Sie blieben die ganze Partie ruhig, Sie wussten um ihre Stärke und das haben sie uns am Ende der Partie gezeigt. In der zweiten Halbzeit haben wir Fehler gemacht und Spanien hat sofort die Möglichkeit ergriffen, drei und vier Tore vorzulegen. Es ist nicht einfach gegen sie zu spielen.“

Lukas Hutecek: „Das war ein großartiges Gefühl gegen den amtierenden Champion auf der Platte zu stehen. Als ich das letzte Spiel von Spanien aus dem Bett heraus verfolgt habe, konnte ich es kaum abwarten, gegen diese Jungs zu spielen. Wir können wirklich stolz sein und mit ein wneig mehr Glück hätten wir auch gewinnen können. Nun konzentrieren wir uns auf das nächste Spiel.“

Österreich-Spielplan EHF EURO 2020 - Hauptrunde

Kroatien vs. Österreich 27:23 (13:8)
Do., 16. Jänner 2020, 18:15 Uhr
Werfer Österreich: Robert Weber (6), Gerald Zeiner (4), Nikola Bilyk (3), Janko Bozovic (2), Fabian Posch (2), Richard Wöss (1), Daniel Dicker (1), Boris Zivkovic (1), Tobias Wagner (1), Jakob Jochmann (1), Raul Santos (1)

Spanien vs. Österreich 30:26 (17:16)
Sa., 18. Jänner 2020, 18:15 Uhr
Werfer Österreich: Janko Bozovic (5), Sebastian Frimmel (4), Robert Weber (3), Nikola Bilyk (3), Fabian Posch (2), Daniel Dicker (2), Gerald Zeiner (2), Tobias Wagner (2), Richard Wöss (1), Jakob Jochmann (1), Lukas Hutecek (1)

Österreich vs. Deutschland
Mo., 20. Jänner 2020, 20:30 Uhr
Live auf ORF 1

Weißrussland vs. Österreich
Mi., 22. Jänner 2020, 18:15 Uhr
Live auf ORF 1

 

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